Trötenwanderung
Die Trötenwanderung hat angefangen. Die Tröte Afrikas wandert durch die Liveschalten nach Europa, und hier ist man gespaltenen Schädels darüber.
Die Diskussion darüber erreichte zwischenzeitlich fast das selbe nervige Ausmaß wie die Vuvuzela selber.
Nerviger Krach, sagen die einen, Hassgefühle würedne sie gar bei Christiano Ronaldo hervorrrufen, um ihn nicht unfair niveaulos zu zitieren, hier das Zitat: „Ich hasse diese Dinger“.
Auf der anderen Seite: Wer gegen die Vuvuzela ist, hat sich zu schämen, denn die BZ ist dagegen, und wer gegen etwas ist, wogegen die BZ ist, ist für die BZ, ergo ein Neo-Kolonist oder Nazi. Gutmenschentum und Schlechtmenschentum entzünden sich an der Vuvuzela. Es ist bestimmt schon faschistisch, sie nicht liebevoll Vuvu, sondern Tröte zu nennen.
Jetzt wo Frau Katrin Müller-Hohenstein vom inneren Reichsparteitag gedummelt hat, da ist jedes Wort, das einen PC-Kreidekreis verlässt, ein Wort zuviel. Ein innerer Vuvuparteitag.
Ich habe mit Menschen gesprochen, Menschen die genervt sind; Menschen die genervt sind, von den Menschen, die genervt sind. So sehen meine statistischen Erhebungen aus: Menschen, die Pro-Vuvuzela sind, schauen gar kein Fußball. Wer absolut Contra-Vuvuzela ist, der schaut auf jeden Fall Fußball. Um es noch klischeehafter zu sagen: Pro-Vuvuzela Frauen, Contra-Vuvuzela Männer. Ich finde, Klischees sind einmal quer durch die Wahrheit, auf einem nicht ins Dickicht abweichenden Trampelpfad und hinten wieder aus der Wahrheit raus. Zu meiner statistischen Erhebung muss ich sagen: Ich habe EINEN Mann und EINE Frau gefragt.
Vielleicht ist die Vuvu eine Angeberattrappe für wowo nich so viel ist bei den Männern. Eine blasbare Plastepenisverlängerung. Bis zu einem Meter lang kann die Vuvu sein, das ginge kaum in die Mumu rein, aber darum geht’s ja bei Penisersatz nich. Ferraris sind ja auch zu groß für Geschlechtsteile, die ich jetzt Metaphernintern als Garage bezeichnen könnte ... aber nicht will. Angeblich haben schwarze Männer es nicht nötig, meterlange Plastetröten an den Mund zu halten und lautstark in die Höhe zu erigieren. Auch zu diesem Klischee habe ich einen Mann und eine Frau befragt. Den selben Mann und die selbe Frau. Der Mann sagte: „Große Schwänze ... glaub ich nich“, die Frau sagte: „Große Schwänze... glaub ich gern.“
Ob nun der Pipizeela des Bewohners von Südafrika kleiner oder größer ist als eine erdölprodukt-Gußlärmhilfe, mag dahin gestellt sein ... in Bayern spielen die Männer Alphorn ... da scheint der Minderwertigkeitskomplex größere Tröten gebraucht zu haben.
Die Vuvuzela hat unzweifelhaft einen schönen lautmalerischen Namen.
Vuvuzela mag nerven, aber das Wort ist schööööööön. Hieße das Hundegebell im Tierheim Wauwauzela und das Schimpfen alter Leute Duduzela – ich ertrüge es leichter.
Dass tausende Vuvuzelas wie ein wütender Hornissenschwarm klingen, spricht für sie, wenn man Hornissen mag, gegen sie, wenn man keine Hornissen mag. Insgesamt sind Insekten keine Tiere für PC-Leute – sie sind einfach nicht vom Aussterben bedroht – von Minderheit mal ganz abgesehen. Also, wenn irgendwas auf der Welt die Mehrheit ist, dann Insekten.
Man muss aber mal eins sagen:
Die Vuvuzela ist ein Fußballfaninstrument. Die sollen laut sein. LAUT. Das ist die Vuvuzela.
Der Müllberg aus ohrenschmalzverklebten Ohrstöpseln wächst jeden Tag. Wenn er zu groß ist, kippt er um und begräbt eins, zwei, drei – hundert Straßenköter unter sich. Dann wird alles verbrannt und erzeugt giftige Krebsdämpfe, von denen Zierblumen eingehen, aber auch Wildblumen. Aber auch Menschen.
Ich habe seit über zehn Jahren rote Haare. Das ist ja dann schon ein Naturgesetz, wenn zehn Jahre Vuvuzela eine Tradition sind. Na gut, die Plaste-Vuvuzelas mögen zehn Jahre alt sein, davor gab es aber natürlich nur für Stammesriten vorgesehene Vuvuzelas aus Elfenbein.
Es ist afrikanische Tradition, und zwar eine schönere als schnippschnappzela, die Beschneidung. Wenn schon Neo-Kolonismus, dann richtig. Mal richtig was dummes sagen. Vor laufender Kamera noch besser. Und dann den Köhler machen. Hab ich nicht so gemeint. Wenn mir das keiner glaubt, bitte, dann will ich nicht mehr...
In Ägypten wickelt man Tote ein, bis sie keine Luft mehr bekommen und beerdigt sie in zwei geometrischen Formen, einem Quader und einer großen Pyramide drumrum. ABER man macht das nicht während eines Fußballspieles.
In England trinkt man Tee, sogar möglicherweise während eines Fußballspieles ... ABER leise. Nicht aus tausend klingelnden Tassen.
Tradition war noch nie ein Argument. Wir haben schon immer unsere Frauen geschlagen, im Irak werden in der Halbzeitpause Ehebrecher gesteinigt ... das machen wir schon immer so, Walfang, Weihnachten usw. usw.
Jetzt ist Südafrika rausgeflogen und sie können nicht mal nach Hause fliegen. Lasst sie doch vuvuzelen. Bitte.
Donnerstag, 1. Juli 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentare:
ich stimme zu, dass alle wörter mit zela hintenan, sehr viel netter wären. duduzela gefällt mir schon mal außerordnetlich. oder ich muss schnell mal kokozela (statt kotzen). naja, da ließe sich noch einiges fortführen. die vuvuzela aufregung liegt ja nun schon ne zeit hinter uns, doch ich habe mich prächtig amüsiert beim lesen des textes. da ich nie fußball gucke, hab ich von den vuvus nicht besonders viel mitgekommen, demenstsprechend haben sie mich auch nicht gestört (alle stadien werden von mir großflächig umgangen und so wurde auch die gefahr, dass mir dort die ohren weggetrötet werden, umgangen). ach ja, für die statistische erhebung: ich bin weiblich.
Kommentar veröffentlichen